Der Wochenblatt-Schwindel des Prenzel-Soli-Komitees

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„Aufpassen, was im Stadtteil vor sich geht …“

„Hautnahe und stadtteilbezogene Lokalberichterstattung über alle Parteigrenzen hinweg“: Titelseite des Eimsbüttler Wochenblattes vom 28. Mai 2009, ganz nach dem Geschmack des Prenzel-Soli-Komitees.

Für Ordnung & Sicherheit im „Quartier“ sorgt im Zweifelsfall die Bürgerwehr. Die regelmäßige Berichterstattung über Bürger, die gerne den Helden spielen, gehört zum Konzept der Werbeblätter, die ihre Anzeigen zielstrebig in einem reaktionären Heimatdiskurs einbetten. Das Foto ist von Arndt Prenzel, der Text eine Mischung aus Polizeibericht und eigener Dichtung.

Textauszug: Zeuge Willhöff. „Ich hätte ihm wohl besser eine Bierflasche über den Kopf gezogen.“ Polizeichef Süßen wehrt ab: „Sie haben sich schon genug in Gefahr gebracht“, lautet sein Rat. Reinhold Willhoff will auch künftig aufpassen, was im Stadtteil vor sich geht. Er hat als Wachmann gearbeitet und pflegt einen engen Kontakt zu den bürgernahen Beamten.

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Ein Bündnis gegen die Aufklärung

Ein Bündnis aus Anhängern der LINKEN, aus Rechtsökologen und Heimatschützern verbreitet seit Anfang Juni 2009 in Hamburg-Eimsbüttel gegenaufklärerische Positionen über den Charakter jener Anzeigenblätter, die seit Anfang der 1980er Jahre bundesweit mit ihren „Lokalnachrichten“ die sozialen Auseinandersetzungen im Interesse der Geschäftswelt interpretieren und durch ihre flächendeckende Allgegenwart auch regulieren.

Die Entlassung eines „Lokalreporters“ bei dem Gratisanzeiger „Eimsbüttler Wochenblatt“ bot diesem dubiosen Heimatverein Anlass und Vorwand für eine reaktionäre Kampagne, die den Verwaltungsbezirk Eimsbüttel medial als Dorf-Idylle entwirft, in der es keine Klassen und Parteien gibt, sondern nur die nachbarschaftliche Volksgemeinschaft der „Eimsbüttlerinnen und Eimsbüttler“.

Diese „MyHeimat“-Propaganda kam nicht zuletzt bei Medienprofis in den staatlichen Funkhäusern (NDR-Radio, 2x NDR-TV) und im Printjournalismus (Taz, Mopo) gut an. Abgesehen davon, dass einige von ihnen als Angehörige der schwarzrotgrünen Mittelschicht in nicht billigen Eimsbüttler Miet- und Eigentumswohnungen leben und sich beim Gang über den Wochenmarkt ihr „Quartier“ selbst gerne als Teil einer „Dorfgemeinschaft“ imaginieren, fühlen sie sich auch vom Trend zur Verschlankung der Medienproduktion (Publishing 2.0, User generated Contents etc.) selbst betroffen. Deshalb gefällt ihnen einerseits die Vorstellung, „der Bürger als solcher“ sei auf SIE ganz besonders angewiesen. Andererseits wollen sie sich nicht in die Karten ihres eigenen PR-basierten Journalismus schauen lassen und vermeiden es daher lieber, zu fragen, WORÜBER denn der „Lokalreporter“ Prenzel konkret berichtet (oder nicht berichtet) hat und welches seine „Quellen“ waren. In den Medienberichten sieht man ihn stets nur mit dem Rad durch „seinen“ Bezirk fahren und mit „Anwohnern“ reden, niemals aber mit Firmen und „Investoren“. Der Inhalt selbst ist ganz nebensächlich. „Heimat hautnah“ – es kommt nur auf die bezirksgebundenen Heimatgefühle und den lokalen Ton an.

In dieser semantischen Strukturierung wird der reale sozial-geographische Raum „Eimsbüttel“ einem medial konstruierten gemeinschaftsstiftenden Raum untergeordnet. Ökonomische Macht, politische Hegemonie und soziale Kontrolle sind plötzlich verschwunden oder volksgemeinschaftlich eingeebnet.

Die nachfolgende Dokumentation der Verlautbarungen dieser MyHeimat-Kampagne ist Anschauungsmaterial für die mediale Repräsentation von „imagined Communities“.

Der Heimatverein „Arndt Prenzel-Soli-Komitee“ schwärmt öffentlich vom „Lokalbezug“ und den „hautnahen Informationen“ des „Eimsbüttler Wochenblattes“. Beides, so wird jetzt behauptet, sei durch die Streichung der Stelle des „kritischen Lokaljournalisten“ gefährdet.

Was der INHALT dieses „Lokalbezuges“ und seine FUNKTION ist, wird in allen unten stehenden Verlautbarungen tunlichst verschwiegen. Diese gegenaufklärerische Praxis knüpft an der politisch gewollten Marginalisierung des kritischen Bewusstseins an und ist selbst ein Ausdruck davon. Dabei richtet sich diese Praxis (die ihre eigenen geschäftlichen Ziele verschweigt) offensiv gegen all jene, die in konkreten sozialen Auseinandersetzungen der Politischen Ökonomie der sublokalen Anzeigenblätter (der untersten Stufe eines Mediensystems) auf die Spur gekommen sind und ihre Erkenntnisse beweiskräftig dokumentiert haben.

Dieses weblog ist eine „ausgelagerte“ Plattform der Initiative, die von 2002-2008 Widerstand gegen die Verstaatlichung und anschließende Privatisierung und Bebauung der 22.000 qm großen kommunal-öffentlichen Freifläche „Sparbierplatz“ in Hamburg-Eimsbüttel geleistet hat. Ausgelagert wurde dabei nicht das Thema selbst, sondern nur eine ins Detail gehende Dokumentation, die den systematischen Aufbau der Initiativen-Seite sprengen würde.

Auf dem weblog der Initiative wird die Geschichte der Allianz zwischen den Betreibern dieser Privatisierung eines öffentlichen Raumes und den lokalen Medien geschildert. Dabei spielt die Gratiszeitung „Wochenblatt“ gerade wegen ihres Lokalbezug-Konzeptes eine besondere Rolle, weil die an der Privatisierung beteiligten Wirtschaftsunternehmen (das „Diakonie-Klinikum“ von Agaplesion AG und Asklepios sowie der Großverein Eimsbüttler Turnverband) durch bezahlte Anzeigen und über PR-Texte, die als solche häufig nicht erkennbar sind, in der Lage waren und sind, ihre Interessen dominant zu kommunizieren. Den Gegnern solcher „Vorzeigeprojekte“ wird auch in den „Wochenblättern“ (ähnlich wie in den Tageszeitungen) durchaus ein gewisser Platz eingeräumt, wobei ihnen zugleich eine Position als subalterne Bittsteller („Anwohnerinitiative“, „empörte Steuerzahler“) zugewiesen wird. Es ist keine Frage, dass die Anzeigekunden und Geschäftspartner von Beginn an die absolute Definitionsmacht haben. Von einer freien Erörterung der öffentlichen Angelegenheiten kann in dieser ganz offen im Dienst der Geschäftswelt stehenden Mediengattung noch weniger die Rede sein als in den übrigen Medien.

Diese Erfahrung, die in allen konkreten sozialen Auseinandersetzungen bestätigt wird, möchte der Heimatverein „Arndt Prenzel-Soli-Komitee“, der sich inzwischen als eigenständiges Geschäftsunternehmen etabliert hat, entwirklichen: „In Zeiten, in denen die regionale Medienpräsens durch die großen Zeitungsverlage immer weiter ausgedünnt wird, sind Publikationen wie die regionalen Anzeigenblätter eines der wenigen Kommunikationsmittel in den Stadtteilen.“ Mehr noch: Das „Eimsbüttler Wochenblatt“ sei bisher eine „ernst zu nehmende Wochenzeitung“ gewesen, „indem sich der aktive Teil der Eimsbütteler Bevölkerung wiederfand“.

Wir haben es jetzt also mit einer Situation zu tun, in der eine Gruppe von geschäftstüchtigen „Aktiven“, Lügen über die Funktion der Anzeigenblätter verbreitet, die weit über die Selbstdarstellung dieser Blätter hinaus gehen.

In den Auseinandersetzungen mit staatlicher und ökonomischer Macht gehört die Aufklärung über Interessenskonstellationen zu den wenigen Mitteln, die jenen verbleiben, die selbst keine Macht haben. Wie sich nun zeigt, muss diese Aufklärung nicht nur mühsam (und oft genug auch kostenträchtig) gegen jene durchgesetzt werden, die ohnehin am langen Hebel der Macht sitzen, sondern auch gegen ein Alternativmilieu, das selbst nur eines anstrebt: Zugehörigkeit zu einer imaginierten Dorf- und Volksgemeinschaft, in der auch der „Investor“ am Ende vor allem ein guter Nachbar ist.

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Hofberichterstattung

Prenzel-Soli-Komitee: „Die Eimsbüttler wollen auf Prenzels wöchentliche Berichte über Lokalpolitik nicht verzichten“. Titelseite des Eimsbütteler Wochenblattes vom 10.5.07. Foto, Headline und Untertitel von Arndt Prenzel.


Diese Collage erschien im Mai 2007 auf dem weblog der Initiative

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Kommentierte Dokumentation

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Hände weg vom Eimsbüttler Wochenblatt / Mitteilung Nr. 1
Peter Gutzeit [Die Linke-Eimsbüttel]
■ 4. Juni, 2009
Kündigung Arndt Prenzel, Eimsbüttler Wochenblatt

Liebe Freundinnen und Freunde, es hat sich vielleicht schon herumgesprochen: Arndt Prenzel, Redakteur beim Eimsbüttler Wochenblatt, ist gekündigt worden! Nun hat sich in Eimsbüttel ein Komitee zur Wiedereinstellung Arndt Prenzels gegründet. Jeder von uns kann sich in praktischer Solidarität üben, indem er die beigefügte Unterschriftenliste, kopiert, ausdruckt, weit ermailt, unterschreibt und an die auf der Liste stehende Adresse schickt. Bedenkt bitte, dass mit der Einstellung [?] des redaktionellen Teils des Wochenblatts und der Übernahme durch eine zentrale Redaktion (hier Harburg!), der Bevölkerung ohne Not die letzte regionale Medien-Kommunikation genommen wird und wir [?] letztlich alle [?] betroffen sind. Liebe Grüße

Anhang: Unterschriftenliste EWB Arndt Prenzel.pdf

Wir, Leserinnen und Leser, Anzeigenkundinnen und -kunden, fordern die Geschäftsführung des Eimsbüttler Wochenblattes auf, die Kündigung des in Eimsbüttel in allen Bevölkerungsschichten [ob oben oder unten: „Schichten“ müssen zusammenhalten!] beliebten Redakteurs Arndt Prenzel sofort zurück zunehmen. In Zeiten, in denen die regionale Medienpräsens [Medienpräsens als Wert an sich. Politischer Zweck und Inhalt egal] durch die großen Zeitungsverlage [zu denen das Wochenblatt gehört!] immer weiter ausgedünnt wird, sind Publikationen wie die regionalen Anzeigenblätter [Ableger der großen Verlage] eines der wenigen Kommunikationsmittel in den Stadtteilen [auch der „Völkische Beobachter“ war ein Kommunikationsmittel, sogar mit Lokalausgaben] . Das Eimsbüttler Wochenblatt ist unter Arndt Prenzel über alle Parteigrenzen hinaus [in Eimsbüttel gibt es keine Parteigrenzen, sondern eine Allparteienkoalition] zu einer von vielen Menschen angenommenen und wichtigen Wochenzeitung geworden.

Unterschriftenliste bitte zurücksenden an: SternChance e.V, c/o: Komitee zur Wiedereinstellung von Arndt Prenzel, Schröderstiftstr. 7

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Mit dem Hinweis auf Entlassungen von Journalisten beim „Hamburger Abendblatt“ und beim Bauer-Verlag werden in dieser NDR-Sendung über das „Eimsbüttler Wochenblatt“ Zeitschriften des Bauer-Verlages eingeblendet und diese Entlassungen als weiterer Anschlag auf die Pressefreiheit verurteilt. So wird aus dem Kündigungs-Thema eine Werbesendung für solche reaktionären Blätter. Auch Bauer-Redakteure und Springer-Journalisten, haben, wenn sie ihren Job verlieren, das Recht auf einen Arbeitsgerichtsprozess. Wenn sie oder andere jedoch die Rationalisierungsmaßnahmen der beiden Medienkonzerne zum Anlass nehmen, die Zeitungen und Zeitschriften solcher Unternehmen als zu „rettende“ Printprodukte darzustellen, dann wird daraus eine Verdummungs-Kampagne.

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Hände weg vom Eimsbüttler Wochenblatt
[Musik-] Gruppe Gutzeit Newsletter Juni 2009
■ 13. Juni 2009

Liebe Freundinnen, liebe Freunde, wir singen nicht nur engagiert über Dinge in der Stadt, wir mischen uns auch aktiv ein. Im Anhang befindet sich eine Unterschriftenliste. Schaut Euch doch diese einmal an. Vielleicht seid Ihr auch unserer Meinung und unterstützt den langjährigen Redakteur Arndt Prenzel des „Eimsbüttler Wochenblatts“ (dem gekündigt wurde) mit Eurer Unterschrift, denn Eimsbüttel liegt überall! Liebe Grüße Gruppe Gutzeit [*]

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„Eimsbüttler Wochenblatt“ vom 14. Mai 2009. Foto: Arndt Prenzel, Text (s. unten): Wulf Beleites. Thema: Die Geschäfte der „Gruppe Gutzeit“.

[*] Die „Gruppe Gutzeit“ ist eine Band, die mit einfach gestrickten „Protestsongs“ ihr Publikum in verschiedenen Alternativmilieus sucht. Für politische Initiativen, die mit solchen Songs umarmt werden sollen, ist das vor allem ein Problem: Vor einigen Jahren stellte die „Gruppe Gutzeit“ einen Song mit dem Titel „Die Sparbierplatz-Frauen“ ins Netz. Darin wird die Initiative gegen die Bebauung des Sparbierplatzes als eine Müttergruppe dargestellt, die gegen die Bebauung einer riesigen öffentlichen Freifläche mit der Filiale einer klerikalen Klinikkette kämpft, damit ihre Kinder weiter Fußball spielen können. Das Engagement der Initiative gegen die Privatisierung eines öffentlichen Raumes wird also biologistisch-sexistisch mit dem „Mutterinstinkt“ der beteiligten Frauen erklärt. Dass die Mehrzahl der Frauen in der Initiative in Wirklichkeit keine Mütter sind und dass die Kinder der anderen nicht Fußball spielen, ist für die „Gruppe Gutzeit“ ganz nebensächlich. Es ist klar, dass diese reaktionäre Betroffenheits-Lyrik die politische Praxis der Initiative verleugnen muss: Unsere antifaschistische Aktion gegen eine nach dem Nazi Robert Finn benannte Turnhalle des ETV, lässt sich mit dem „Mutterinstinkt“ nicht erklären und wird deshalb ausgeblendet. In das Weltbild der Gruppe Gutmensch passt auch nicht, dass wir den 22.000 qm großen Sparbierplatz gerade NICHT in erster Linie als „Fußballplatz“ verteidigten, sondern als kommunal-öffentliche Freifläche im dicht bebauten Kerngebiet, deren Erhalt auch jenen etwas bedeutet, die den Platz selbst nicht als Sportfreifläche nutzen.

Bis Mai 2009 war die „Gruppe Gutzeit“ die mit Abstand am häufigsten erwähnte Band im „Wochenblatt“. Die kostenlose Werbung war ein Freundschaftsdienst des Lokalreporters: Die geschäftliche Dimension dieser Verbindung wurde nach einem Konflikt zwischen der Gruppe und der rechtsökologischen „Isebek-Ini“ besonders deutlich. Bis Mai wurde diese „Ini“ vom Wochenblatt (in dem gleichzeitig die Sparbierplatz-Bebauung gefeiert wurde), von der „Gruppe Gutzeit“ und den LINKEN-Eimsbüttel vehement unterstützt. Bei einem „Isebek-Solidaritätskonzert“ Mitte Mai kam es jedoch zum Zerwürfnis, weil diese „Ini“ der „Gruppe Gutzeit“ den Verkauf ihrer CDs im Eingangsbereich der Veranstaltung untersagte. Nach diesem Streit wurde die Lieblings-“Ini“ des Wochenblattes (sie schadet keinem Anzeigekunden und schweigt zur Bebauung des 100 Meter weiter liegenden Sparbierplatzes) umgehend von Prenzel degradiert. Wulf Beleites, Mitglied der LINKEN und „Kolumnist“ im Anzeigenblatt (jetzt Sprecher des Prenzel-Soli-Komitees), durfte die Vogel- und Heimatschützer in der Ausgabe vom 14. Mai 2009 wegen ihrer Kommerzfeindlichkeit abstrafen – natürlich auf Wochenblattniveau: „Sechs kleine Iseleins, die spielten ganz umsonst. Doch als sie ihre CDs verkaufen wollten, war einer strikt dagegen. Da war‘n es nur noch fünf.“

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Hände weg vom Eimsbüttler Wochenblatt / Mitteilung Nr. 2
Peter Gutzeit [Die Linke-Eimsbüttel]
■ 15.6.2009

Hallo FreundInnen, unter www.youtube.com/arndtprenzel könnt ihr ein interessantes NDR-Interview hören. Liebe Grüße

NDR-Radio Abendjournal 90.3
http://www.ndr903.de/

[Textauszug]: Arndt Prenzel fuhr 15 Jahre durch den Stadtteil, um zu erfahren, was Menschen [und nicht zu vergessen: Firmen] bewegt [um dann z.B. ihre Flugblätter in den Müll zu werfen und die PR der Firmen abzudrucken]. Viele Eimsbüttler protestieren gegen die Entlassung ihres Reporters. Knapp 1000 Eimsbüttler protestieren, darunter sind Polizisten, Marktfrauen, Mütter , Abgeordnete aller Parteien, Ladeninhaber und Künstler. [was ist falsch an dieser Reihe?]. Wulf Beleites [Die Linke] organisiert die Aktion: „Wenn diese Stelle eingespart wird und das ganze von einer Zentralredaktion aus Harburg gemacht wird, so befürchten wir dass dieser Lokalbezug, den das Eimsbüttler Wochenblatt uns lieferte, einfach wegfällt. Eine Figur wie Prenzel ist kaum zu ersetzen.“

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Homepage des Centrosociale [Alternativszenen-Projekt]
http://centrosociale.breitaufgestellt.de/darum/tagesnotizen
■ 07.06.09

WEGRATIONALISIERT: Die Wochenblätter sind für viele Menschen eine wichtige kostenfreie Informationsquelle. In Eimsbüttel sorgte Redakteur Arnd Prenzel bislang für DIE Berichterstattung aus dem Stadtteil. Nun hat der neue [?] Besitzer der Wochenblätter ihm gekündigt. LeserInnen [früher hätte hier gestanden: „die Arbeiterklasse“] fordern die Wiedereinstellung des Lokaljournalisten.

Text der PDF zu dieser Ankündigung:

Mitteilung an die Eimsbüttler Geschäftswelt:
Hände weg vom Eimsbüttler Wochenblatt!
[es war sicher ein langer Weg von „Enteignet Springer“ zu dieser Losung!]

Redakteur Arndt Prenzel muss weiter aus unserem Stadtteil berichten.
Eimsbüttler fordern die Rücknahme der Kündigung.

In der letzten Mai-Woche wurde dem langjährigen Redakteur des Eimsbüttler Wochenblattes, dem kostenlosen Anzeigenblatt für Eimsbüttel und die Schanze, ohne Angaben von Gründen gekündigt. Der Reporter vor Ort wird abgeschafft, das Eimsbüttler Wochenblatt künftig mit Standardjournalismus [meint: Standard-PR-Journalismus] aus der Ferne [ein Dorf weiter] gefüllt. Eimsbüttler Bürgerinnen und Bürger wehren sich dagegen und haben nicht nur eine Unterschriftenkampagne gestartet, sondern sprechen auch mit bisherigen [DKH, ETV, Lidl etc.] und potentiellen Anzeigenkunden des Blattes. Denn es geht nicht nur um die Kündigung des Kollegen Prenzel, eines von allen in der Bezirksversammlung vertretenen Parteien geschätzten wie kritischen Lokaljournalisten [die Erfindung des „kritischen PR-Journalismus“], sondern um die qualifizierte [Inhalt?] Berichterstattung im Bezirk und Stadtteil. Gerade wegen der direkten Angebundenheit [!] eines stadtteilbezogenen, kostenlosen [weil schon bezahlten] Anzeigenblattes, nicht zuletzt durch die eingesessenen [autochthonen] Anzeigen-Kunden [Lidl, Nissan, ETV, DKH etc.] konnte im Eimsbüttler Wochenblatt über kulturelle Ereignisse, lokale Events, gastronomische Neueröffnungen, Stadtteilinitiativen [gehören zur Lokalfolklore], bürgernahe Nachbarschaftshilfe [1-Euro-Jobs] und vor allem die bezirkliche Lokalpolitik berichtet werden [Eigentümer, Zweck, politischer Inhalt und Quelle egal]. Die Hamburger Lokalpresse [90 % Springer] kann nicht umfassend [Inhalt?] aus den Sitzungen aller sieben Bezirksparlamente [hof-] berichten. Arndt Prenzel aber in seinem „Blättle“ [Dorf-Metapher] für Eimsbüttel schon, umfassend und Woche für Woche [Inhalt?]. Das Eimsbüttler Wochenblatt gehörte wie die anderen Anzeigen-Wochenblätter zum Axel-Springer-Verlag, wurde jetzt aber an den hannoveranischen Madsack-Konzern verkauft [stimmt nicht, Madsack hält 17,3 %]. Und nach ersten Informationen sind jetzt die üblichen „Synergien“ geplant: In Harburg, also weit weg [!] südlich der Elbe, könnte das Eimsbüttler Wochenblatt von einer Zentralredaktion gestaltet werden. Das würde bedeuten: Keine hautnahen Informationen [zum Beispiel so oder so] mehr aus unserem Stadtteil, keine Meinungsvielfalt mehr, sondern einen, vielleicht mit kleinen PR-Sprenkeln eingefärbten Einheitsbrei für alle Hamburger Stadtteile.

Daher fordern wir: Das Eimsbüttler Wochenblatt muss seine lokale Eigenständigkeit behalten! Die Kündigung des Redakteurs Arndt Prenzel muss zurückgezogen werden! Protestieren Sie beim Geschäftsführer, Ralf Exner. Die Eimsbüttler müssen auch weiterhin mit stadtteilbezogenen Informationen versorgt werden! Arndt-Prenzel-Soli-Komitee@web.de

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■ TAZ, 16.06.2009
Lokale Vielfalt oder Einheitsbrei
MEDIENVIELFALT: Beim Eimsbüttler Wochenblatt wurde der einzige Lokal-Redakteur entlassen – die Inhalte werden nun südlich der Elbe produziert.

Sie liegen derzeit auf fast jeder Ladentheke in Eimsbüttel aus – die Unterschriftenlisten gegen die Kündigung des Eimsbüttler Wochenblatt-Redakteurs Arndt Prenzel. Der 57-Jährige, der seit mehr als 14 Jahren für das Anzeigenblatt schreibt und in dem Bezirk längst eine Institution ist, wurde Ende Mai ohne [?] Begründung vor die Tür gesetzt.

Die Initiative, die sich für die Rücknahme der Kündigung einsetzt, befürchtet nun eine Verödung der lokalen Berichterstattung, da „die Hamburger Lokalpresse nicht umfassend“ über die kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen des Stadtteils berichten könne. Mit Prenzel werde, „der Reporter vor Ort abgeschafft“. Das kostenlose Verteilblatt – das in einer Auflage von über 50.000 Exemplaren jeden Donnerstag erscheint – werde zukünftig [!]“mit Standard [PR-] Journalismus aus der Ferne gefüllt“, prognostiziert der Journalist Wulf Beleites [Die Linke], Sprecher der Initiative.

Denn Prenzels Aufgaben, das bestätigt der Geschäftsführer des Eimsbüttler Wochenblatts, Ralf Exner, sollen in Zukunft von der Redaktion des Elbe-Wochenblatts mit übernommen werden. Sie logiert in Harburg und füllt bereits die Wochenblatt-Ausgaben in Altona und Eidelstedt mit redaktionellen Inhalten. „Aufgrund der schlechten Wirtschaftslage war die Trennung unumgänglich – die Gesellschafter sind an mich heran getreten und haben Einschnitte gefordert, damit wir wettbewerbsfähig bleiben“, begründet Exner die Kündigung. Hinter den Gesellschaftern verbergen sich vor allem der Axel Springer Verlag und seit Anfang des Jahres auch das hannoversche Verlagshaus Madsack, das Anteile von Springer übernahm. Während Beleites die Kündigung Prenzels auf die Beteiligung des Madsack-Konzerns und dessen Sparkurs zurückführt, beteuert Exner, der Schritt habe „nichts mit der Beteiligungsveränderung zu tun“. Zudem betont er, dass die Zeitung „auch in Zukunft nicht weniger aus den Eimsbüttler Quartieren berichten“ werde [das beweisen die jüngsten Ausgaben. Auf dem „Lokalbezug“ der Anzeigen beruht schließlich das Geschäftsmodell]. Es werde „keinen Einheitsbrei für alle Hamburger Stadtteile“ geben. [Erst die gegenaufklärerische Kritik des Komitees wie auch der TAZ zwingt den Geschäftsführer, sein Werbeblatt als Einheitsorgan aller Eimsbüttler darzustellen].

Viele Eimsbüttler aber befürchten das Gegenteil – binnen weiniger Tage sammelte die Initiative mehrere hundert Unterschriften gegen die Kündigung, motivierte die ersten Anzeigenkunden des Wochenblatts, ihre Aufträge wegen der Kündigung Prenzels zurück zu ziehen. Und auch die Eimsbüttler Politiker, für die Prenzel oft der erste mediale Ansprechpartner war [sie wussten warum], schlagen Alarm. Eine solche Zeitung brauche „den Redakteur zum Anfassen“, warnt der bezirkliche Bundestagskandidat Rüdiger Kruse (CDU) und der Eimsbüttler SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Martin Schäfer schimpft: „Es kann nicht angehen, dass die Wochenblätter von jedem redaktionellen Inhalt entblößt werden und zu reinen Anzeigenblättern verkommen – ohne Sinn und Verstand.“ [Martin Schäfers Statement zeigt das ganze intellektuelle Elend der Eimsbüttler Lokalpolitik. Er weiß nicht einmal, warum man in den Anzeigenblättern in den 1970er Jahren „redaktionelle Inhalte“ einführte]. Marco Carini [den kennen wir schon].

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Eimsbütteler Wochenblatt,
■ 11. Juni 2009

Stadtteilbezogene Informationen bleiben erhalten

Liebe LeserInnen, liebe Anzeigenkunden, wir befinden uns in einer Zeit der Wirtschaftskrise, die inzwischen auch viele Unternehmen in Hamburg und eben auch Eimsbüttel erreicht hat. Natürlich geht das auch am Wochenblatt nicht spurlos vorbei [so wie das Internet] und so mussten wir uns Gedanken machen, wie wir dieser Situation begegnen. Bundesweit sind viele, meist große Verlage mit der Maßnahme, Redaktionen zusammen zu legen oder Gemeinschaftsredaktionen zu gründen, erfolgreich voran gegangen. Wir haben dieses Konzept [sic!] aufgegriffen und sind nun der „Elbe Wochenblatt-Redaktion“ [auch Springer] beigetreten, einer Redaktionsgemeinschaft die sehr erfolgreich mehrere Wochenblätter betreut, unter anderem auch die Stadtteile Altona und Eidelstedt und ab sofort auch Eimsbüttel. Dieser Schritt hat leider die Kündigung unseres langjährigen Redakteurs Arndt Prenzel erfordert. Wir dürfen Ihnen aber versichern, dass die Qualität [!] unseres Wochenblattes für uns bei sämtlichen unternehmerischen Entscheidungen an erster Stelle steht. Wir sind uns auch bewusst, dass sowohl die Akzeptanz unserer Zeitung als auch ihre Attraktivität für Sie als unsere Kunden entscheidend von der stadtteilbezogenen, aktuellen und individuellen Berichterstattung abhängt. Kundennähe und die Verbundenheit zum Stadtteil machen den Erfolg unserer Zeitung aus. Natürlich haben wir auch Kenntnis von der Mitteilung des „Komitees zur Wiedereinstellung von Arndt Prenzel“ an die Eimsbütteler Geschäftswelt erhalten. Die aus dieser Mitteilung zu entnehmenden Bedenken und Befürchtungen nehmen wir, sowohl im Interesse unserer langjährigen Anzeigenkunden als auch unserer Leser, sehr ernst. Anders als jedoch in der Mitteilung befürchtet, wird die Vergabe des redaktionellen Teiles an diesen Grundprämissen unserer Geschäftspolitik und unseres Selbstverständnisses nichts ändern, im Gegenteil: wir werden in Zukunft die Möglichkeit haben, noch in weit größerem Maße die stadtteilbezogenen Themen aufzugreifen. [es gibt genug „Bürgerjournalisten“ und immer mehr PR-Vorlagen]. Es wird keinen „Einheitsbrei“ für alle Hamburger Stadtteile geben. Der neue, hauptsächlich zuständige Redakteur Mathias Greulich wohnt in Eimsbüttel und ist bestens mit dem Stadtteil vertraut. Herrn Prenzel danken wir ausdrücklich für die für und mit uns geleistete Arbeit. Die Gründe, die zu der auch für uns schweren und sorgsam abgewogenen Entscheidung geführt haben, haben weder mit der Person Arndt Prenzel noch mit seiner journalistischen Leistung etwas zu tun. Es ist uns wichtig, dies nicht nur gegenüber Herrn Prenzel sondern auch Ihnen gegenüber klarzustellen. Im Übrigen ist es sachlich falsch, dass das Eimsbüttler Wochenblatt verkauft worden ist. Lediglich die Anteile innerhalb der Gesellschafter haben sich verändert. Der Axel-Springer-Verlag gehört nach wie vor zu den Gesellschaftern. Wir sind davon überzeugt, Ihnen mit dem Eimsbüttler Wochenblatt auch in Zukunft eine attraktive Plattform anzubieten, in der Sie viele Informationen aus Ihrem Stadtteil finden werden. Selbstver-ständlich stehen wir Ihnen jederzeit auch zu persönlichen Gesprächen zur Verfügung. Sie können sich gerne an den Leitenden Redakteur Olaf Zimmermann, Telefon 85 32 29 33, E-Mail zimmermann@wochenblatt-redaktion. de, oder auch an mich unter Telefon 53003350, wenden. Stadtteilbezogene Informationen bleiben erhalten! Mit freundlichen Grüßen Ralf Exner, Geschäftsführer

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Prenzels Lieblingscovergirl. Wo sie die Ärmel hochkrempelte, um Parks zu säubern, war das Wochenblatt dabei. Siehe: „Volksgemeinschaftlicher Heimatschutz der Isebek-Initiative“.

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Hände weg vom Eimsbüttler Wochenblatt / Mitteilung Nr. 3
Arndt-Prenzel-Soli-Komitee
■ 23. Juni 2009

Redakteur Arndt Prenzel muss weiter aus unserem Stadtteil berichten. Eimsbüttler fordern die Rücknahme der Kündigung. Wie geht es weiter? Mehr darüber am Mittwoch 24. Juni, im NDR 3 – Fernsehen. Die NDR-Sendung Hamburg-Journal berichtet um 19.30 Uhr im Rahmen der Kündigungswelle im Hamburger Pressewesen auch über diesen Fall. [gemeint sind die Kündigungen beim „Hamburger Abendblatt“, dessen Monopol durch die „Hamburger Wochenblätter“ vervollständigt wird. Die LINKE-Eimsbüttel möchte sich mit der Springer-Presse arrangieren und bezeichnet sie staatstragend-neutral als „Hamburger Pressewesen“!]

Offener Brief an Ralf Exner:

Herr Exner, zeigen Sie Vernunft – stellen Sie Arndt Prenzel wieder ein!

Hunderte von Eimsbüttlerinnen und Eimsbütteler haben inzwischen für die Wiedereinstellung Arndt Prenzels beim Eimsbüttler Wochenblatt unterschrieben. Dutzende von Eimsbütteler Persönlichkeiten haben gegen die unbegründete [!] Entlassung protestiert – für ein Anzeigeblatt, das normalerweise keinen hohen Wirkungsgrad [im Marketing heißt das CRM] hat und häufig ungelesen in die Mülltonne wandert. [was immerhin eine Statement ist, nur die LINKE will die Anzeigenblätter aus der Tonne holen]. Anders, seit Arndt Prenzel in Eimbüttel die redaktionelle Regie übernommen hatte. Das Wochenblatt wurde zu einer ernst zu nehmenden Wochenzeitung [!], indem sich der [in Sachen „unser Dorf muß schöner werden“] aktive Teil der Eimsbütteler Bevölkerung wiederfand. Und ihre Anteilseigner haben daran gut verdient. Und Sie, Herr Exner, der eine solide Verankerung des Wochenblatts in Eimsbüttel benötigt, um ein möglichst hohes Anzeigenaufkommen zu erreichen, setzten den populärsten Vertreter Ihres Blattes vor die Tür? [das sagt ein Geschäftsmann dem anderen]. Nicht Arndt Prenzel oder das Arndt-Prenzel-Solidaritätskomitee schadet dem Wochenblatt, nein Sie sind der Übeltäter. Sie haben einen entscheidenden Fehler begangen, Sie haben das beste „Pferd“ in Ihrem „Stall“ geschlachtet. [diese Leute kennen keine Peinlichkeitsgrenze]. Haben Sie den Mut und die Zivilcourage, die unüberlegte und ungerechtfertigte Kündigung zurück zunehmen. Wer seinen Redakteur rausschmeißt und dafür aber zwei Neue einstellt, sollte nicht von Wirtschaftlichkeit [!] oder Konkurrenzdruck schwafeln. Es macht alles keinen Sinn – höchstens: Sie wollen einen politisch unliebsamen Menschen kaltstellen. [Eine reine Erfindung ohne Beleg. Das „Komitee“ macht Prenzel aus taktischen Gründen – man will ein eigenes „linkes“ Anzeigenblatt gründen – rückwirkend zum Hans-Günter Wallraff des Wochenblattes. Prenzel gab jedoch, wie man bisher selbst erklärte, niemals einen Anlass zum Zweifel an seiner Kundentreue]. Herr Exner, sägen Sie nicht den Ast ab, auf dem auch Sie und die anderen KollegInnen sitzen. Handeln Sie, geben Sie Gerechtigkeit!
[Der „freche“ Ton dieses „Offenen Brief“ ist taktisches Kalkül: Dem „Soli-Komitee“ geht es nicht um die „Wiedereinstellung“ von Prenzel, sondern um PR für die Gründung einer eigenen kommerziellen Zeitung].

Arndt-Prenzel-Soli-Komitee: Wulf Beleites, Peter Gutzeit – 23. Juni 2009

- Im Anhang: Artikel „Lokale Vielfalt oder Einheitsbrei?“ aus der taz-Hamburg vom 16.6.09 und wegen starker Nachfrage im selben PDF auch die Unterschriftenliste und NDR 90,3 HH-Welle: Beitrag über Arndt Prenzel auf www.YouTube.com/arndtprenzel.

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Wochenblatt-Titel „Mutiger Zeuge“ im NDR: Was der Staatsfunk unter „kritischer Lokalberichterstattung“ versteht, machte er durch die Auswahl der Headlines deutlich, die in der Sendung über das „Prenzel-Soli-Komitee“ gezeigt wurden.

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http://www.youtube.com/watch?v=vZh1OFoMnWo

NDR-TV, Hamburg Journal
■ 24. Juni 2009
Bericht: Heiko Sander

(Textauszug): Journalisten in Hamburger Medien. Medienstandort Hamburg. Krise: es trifft auch die die darüber berichten sollen – die Journalisten. [So wie sie vorher begeistert über die Deregulierung von Arbeitszeiten, Tarifen, Verlängerung des Ladenschlusses etc. „berichtet“ haben]. In Eimsbüttel sorgt DAS jetzt für richtig Alarm und Bürgerproteste, denn ein Redakteur beim Eimsbüttler Wochenblatt ist entlassen worden. Er war der einzige Hauptberufliche. „Er nennt sich der letzte Barfußjournalist“ [davon, dass jemand zu Fuß zum Presse-Termin von „Diakonieklinikum“ und ETV geht, wird die Sache nicht besser. Auch der neue Justizsenator radelt zu seinem Büro. Die maoistische Metapher vom „Barfußjournalisten“ soll eine Volks- und Viertelverbundenheit andeuten, die nicht auf ihren Inhalt und auf den Sprechort „Wochenblatt“ hinterfragt werden soll]. Arndt Prenzel konnte viele seiner Termine tatsächlich per Perdes erreichen. O-Ton: „Da wurde mir lakonisch mitgeteilt: Sie sind gekündigt. Vielen Dank, das wars.“ „Nach 15 Jahren!?“. „Nach 15 Jahren, ja“. Ein Schock nicht nur für den Lokaljournalisten. Sondern auch für viele Eimsbüttler.
Gisela Schröder (Isebek-Initiative): „Unser Journalist ist das – UNSER Eimsbüttler Journalist.“ Off: „Das Eimsbüttler Wochenblatt, was drin steht wird jetzt südlich der Elbe entschieden.“ [im Bild: EWB- Ausgaben mit „Mutiger Zeuge“. Die letzte der gezeigten Nummern ist bereits vom Nachfolger]. Das spart Kosten. 100 gingen einvernehmlich bei G+J, der Bauerverlag spart ebenfalls Personal ein, das Hamburger Abendblatt setzt aktuell etwas 30 Mitarbeiter vor die Tür und die dpa zieht nach Berlin. Die Redaktionen sind im Umbruch. Wenn der Sparkurs zu einem Verlust journalistischer Kompetenz [siehe Finanzkrise!] führt, wäre in der Tat die Wirtschaftskrise zu einer Medienkrise geworden. (journalistische Wichtigtuerei]. Der Wandel vollzieht sich meistens geräuschlos, nicht so in Eimsbüttel. 500 Unterschriften hat ein sogenannten Solidaritätskomitee bereits führ ihn gesammelt. [Bild Peter Gutzeit]: „Wir wollen den Journalisten Arndt Prenzel hier behalten. Wir geben nicht eher Ruhe bis er wieder eingestellt wird. Das wird stattfinden, weil die Anzeigenkunden sauer sind. “ Die Fronten sind verhärtet. Der Barfußjournalist überlegt schon [mit Gutzeit] eine eigene Stadtteilzeitung zu gründen.

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■ Hamburger Morgenpost, 29.06.2009

Anwohner kämpfen für Lokal-Reporter
von Wiebke Strehlow

Vom Straßenmusiker über Anwohner bis hin zu Bezirkspolitikern – in Eimsbüttel kennt ihn fast jeder. Journalist Arndt Prenzel (57) berichtete 15 Jahre lang für das „Eimsbüttler Wochenblatt“ über den Stadtteil. Das ist vorbei. Der Nachrichten-Jäger [Wiebke Strehlow führt hier vor, wie das geht] wurde entlassen. Die Kündigung sorgt für Ärger im Bezirk. Ein „Soli-Komitee“ [der Linken] kämpft nun für den Redakteur.

Angefangen hatte der 57-Jährige 1994. Damals tauchte er noch mit seinem kleinen Sohn im Tragetuch bei jedem Termin auf [ist das als Hinweis auf die Arbeitsbedingungen bei Springer gemeint?]. Markenzeichen des Redakteurs war bis zuletzt sein Fahrrad [das ist jetzt das Markenzeichen des schwarzgrünen Justizsenators. Vor allem sagt es nicht über die Themen und Inhalte] – mit dem er bei jedem Wetter zu den Terminen kam. Seine Berichte reichten vom Pferdeschlachter bis zum Katzenstammtisch und politischen Debatten. Die Kündigung kam völlig unerwartet – auch für die Eimsbüttler. Anwohner [diese klassenübergreifende Personenkategorie ist das gemeinsame Lieblingswort von Anzeigenblättern und LINKEN], Geschäftsleute [im Sinn der Dorf-Idylle sind hier kleine Krämer gemeint] und Vereine [der ETV?] haben sich nun zum „Arndt Prenzel Soli-Komitee“ zusammengeschlossen. „Eimsbüttler Bürgerinnen und Bürger wehren sich dagegen und haben nicht nur eine Unterschriftenkampagne gestartet, sondern sprechen auch mit bisherigen und potenziellen Anzeigenkunden [zu den größten zählen die Sparbierplatz-Privatisierer Agaplesion AG/Diakonieklinikum und ETV] des Blattes. Denn es geht nicht nur um die Kündigung, sondern um die qualifizierte Berichterstattung im Bezirk“ steht in einer Mitteilung des „Soli-Komitees“.

Aus dem Grund der Kündigung macht Ralf Exner (52), Geschäftsführer des Hamburger Regional-Anzeiger-Verlags, kein Geheimnis. „Kostengründe“, sagt er schlicht. Für das „Soli-Komitee“ besonders bedenklich: Die Themen für das lokale Blatt sollen nun aus dem Redaktionsbüro in Harburg geliefert werden [Hinweis für Leser in Frankfurt und München: Harburg ist ein Stadtteil von Hamburg, der 10 S-Bahn-Minuten von Eimsbüttel entfernt ist. Der Hinweis des Komitees soll besagen: Nur Eimsbüttel ist Eimsbüttel. In Harburg würden diese Volksfreunde die selbe Nummer abziehen] .

LESERKOMMENTARE (Hamburger Morgenpost)

# von Birgit Fechner am 29/06/09
Wiebke Strehlow ist auf die Kampagne eines Heimatvereins reingefallen, der die Kündigung eines Springer-Journalisten zum Vorwand nimmt, um die lokale Volksgemeinschaft zu beschwören. Nicht zufällig enthält der Artikel kein Beispiel für die „qualifizierte Berichterstattung im Bezirk“.

# von Karl Voss am 29/06/09
Seit die Journalisten beliebig zwischen TAZ und Bild und Mopo wechseln, kennen sie keine politischen Parteien mehr. Man kämpft für einen Springer-Reporter, weil man morgen selbst einer sein könnte. Und ein Anzeigenblatt- „Journalist“ wird als Dorfchronist gefeiert, weil er so heimatlich über den neuen Lidl-Markt schreibt.

# von Beate Wismann am 29/06/09
Seit wann setzt sich die Mopo für ein Springer-Blatt ein? Sollen wir jetzt für die Arbeitsplätze der Bild-Zeitungsredaktion kämpfen? Das Eimsbüttler Wochenblatt ist ein Revolverblatt („Ex-Seemann schlägt Dieb nieder“) und eines dieser Anzeigenblätter, die die Briefkästen und Mülleimer verstopfen. Die „Artikel“, die dort erscheinen, sind leicht umformulierte PR-Meldungen von Anzeigenkunden.

# von Prometheus am 29/06/09
Wochenblatt und hochwertiger Journalismus – wie passt das zusammen? Wenn Arndt Prenzel wirklich was drauf hat, sollte er bei einer seriösen Zeitung anheuern.

# von Leserin am 29/06/09
Das kann er nicht…. er hat es nicht so mit seriösem Journalismus und presserechtlichen Grundsätzen, die formal für Wochenblätter ja leider auch nicht gelten.

# von Gusch am 29/06/09
Sorry, aber der Mann ist rein handwerklich ne Katastrophe. Unfähig (oder nicht willens?) zwischen Meldung und Kommentar zu unterscheiden. Außerdem hat er sich zum Hofberichter dieser obskuren Isebek-Sekte gemacht. Seriöser Journalismus geht jedenfalls anders.

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Kundendienst:

Solche Foto/Text-Meldungen vom Fortschritt bei der Bebauung des vormals öffentlichen Sparbierplatzes brachte Prenzel fast wöchentlich. Das „Diakonie-Klinikum“ der Frankfurter evangelikalen Klinikkette Agaplesion AG gehört zu den Top-Kunden des Wochenblattes, die diesen Servive erwarten und erwarten können.

Bemerkenswert an diesen Abbildungen ist ihr nachbarschaftlicher Ton: Mit „Blick auf´s Klinikum“ ist das linke Foto überschrieben. In der vertraulichen Formulierung ist die Filiale der Frankfurter Klinikkette schon als „Stadtteilkrankenhaus“ eingemeindet. Ein Klinikum ist hier nicht die Einrichtung einer Kapitalgesellschaft, sondern „das Klinikum“ schlechthin – in dem Sinn,wie man, bevor es den neuen Gesundheitsmarkt gab, von „dem Krankenhaus“ sprach. Über dem rechten Foto steht einfach „Diakonie-Bau“. Prenzel weiß, das der Bau auf dem Sparbierplatz NICHT „der Diakonie“ gehört und dass „Diakonieklinikum“ das eingetragene Markenzeichen eines bundesweit expandierenden Konzerns ist, der seine Filialen je nach Lage anders nennt. Der Informationsgehalt beider „Meldungen“ besteht jedesmal in der Ankündigung, dass die Schaffung von Fakten flott voran geht: „Der Bau schreitet kräftig voran“, heißt es auf der linken Seite und „Der Bau geht schnell voran“ auf der rechten Seite. Wobei in beiden Fällen der Ort des Geschehens umschrieben wird: UNSER neues Klinikum, das UNSER neuer Nachbar in UNSEREM Viertel baut, ensteht nicht etwa auf einer privatisierten Fläche, sondern „an der Bundesstraße/Hohe Weide“. Es geht bei diesen „Meldungen“ also NICHT um „Information“, sondern um den manipulativen und suggestiven Subtext.

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Mitteilung Nr. 4 des Arndt-Prenzel-Soli-Komitees
■ 1. Juli 2009

Hände weg vom Eimsbüttler Wochenblatt. Redakteur Arndt Prenzel muss weiter aus unserem Stadtteil berichten. Eimsbüttler fordern die Rücknahme der Kündigung. Wir möchten Sie freundlichst auf die heutige TV-Sendung „Zapp“ im NDR 3 hinweisen. Dort werden in dem Beitrag „Aufregung – Kündigung eines Wochenblatt-Redakteurs“, die Ereignisse um die Kündigung des ehemaligen Redakteurs des Eimbüttler Wochenblatts, Arndt Prenzel, behandelt. (Zapp, NDR 3, 23.00 Uhr). Mit freundlichen Grüßen, Ihr Arndt-Prenzel-Soli-Komitee

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Dieter Bednarz [*], Redakteur „Der Spiegel“: „Anzeigenblätter haben ja immer das Problem der Vermischung von Redaktion und Reklame. Da achtet Herr Prenzel sehr darauf, dass sich das in Artikeln nicht vermischt.“ (Zapp)

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ZAPP, NDR-TV
■ 01. Juli 2009 23:00 Uhr
http://www3.ndr.de/sendungen/zapp/start228_sid-528187.html
Zapp: Inka Schneider präsentiert Neues aus der Medienwelt

NDR- Fernsehen. Zapp- Die Themen der Sendung vom 1. Juli: (1) Manipulation – Politiker und Prominente schönen ihre Interviews … (2) Ein Wochenblatt-Redakteur macht Schlagzeilen. Seit 15 Jahren berichtet er in Hamburg-Eimsbüttel über alles, was seine Leser [und Anzeigenkunden] bewegt. Jetzt gehen sie für ihn auf die Barrikaden – er ist seinen Job los… (3) Pressefreiheit – Engagement für einen inhaftierten Reporter …

Aufregung – Kündigung eines Wochenblatt-Redakteurs

[Text der Sendung] Keine leichten Zeiten für Journalisten. Die Verlage sparen, streichen Stellen. Dass Redakteure und Reporter ihre Jobs verlieren, ist mittlerweile schon Alltag. Nicht über jeden können wir berichten. Über ihn aber wollen wir berichten: Arndt Prenzel.

[Szene mit Prenzel auf Fahrrad] Seit 15 Jahren schreibt er für das Wochenblatt im Hamburger Stadtteil Eimsbüttel. Und greift die Themen auf, die sonst liegenbleiben. Zapp zeigte einen Reporter, für den die Leser jetzt auf die Straße gehen! [Gezeigt wird ein Wochenmarkt]. Mit seinem Fotoapparat stromert Arndt Prenzel durch sein Revier Eimbüttel tagein, tagaus. Das Wochenblatt hat ihm gekündigt, dabei ist er der einzige Redakteur und für die Eimsbüttler auch einzigartig. Gemüsemann vom Wochenmarkt: „Ja, das ist ziemlich niederschmetternd, muss ich ganz ehrlich sagen. Da hängen ja nicht nur wir dran sondern das Eimsbüttler Wochenblatt ja generell.“ [was will der Gemüsemann sagen?] Den Kampf um den Schlump Markt haben die Marktleute mit Prenzels Hilfe gewonnen [nein, es war die CDU]. Arndt Prenzel: „Wenn ich mich hier auf mein Rad gesetzt habe und losgeradelt bin durch mein Eimsbüttel, dann habe ich hier schon garantiert die ersten Leute getroffen, mich mit denen unterhalten. Ich hab sie gefragt: Was gibt es neues? [genauer: „Gibt es Themen, die unseren Anzeigenkunden nicht schaden?“].

Und weil er es so interessant gemacht hat, hat er sich die Anerkennung der Anwohner erschrieben. [Szene: Quartierbewohner Bednarz vom Spiegel läuft über den Wochenmarkt, wo er auf den Arbeiter- und Bauern-Korrespondenten Prenzel trifft]. Sogar derjenigen, die aus der selben Branche sind [in der Tat!] und über Weltpolitik berichten. Dieter Bednarz, Redakteur beim „Spiegel“: „Ich habe großen Respekt vor Leuten, die wirklich an der Basis [sic!] sind. Und mit iranischen Präsidenten Gespräche [es waren vorabgesprochene Fragen] zu führen ist das eine, aber wirkliches Leser-Feedback, das bekommt Herr Prenzel viel öfter auf offener Straße, wenn er hier [auf dem Weg zu DKH, ETV, Mantell, CDU etc.] den Markt entlang geht, als ich von iranischen Präsidenten oder anderen Staatsmännern.“ [davon abgesehen, dass Bednarz vor allem über seine Kinder schreibt und Staatsmänner gewiss nicht die vom PR-Stab arrangierte Mitschrift eines Spiegel-Schreibers nachlesen, enthält das eitle Understatement von Bednarz immerhin die Wahrheit, dass er es auch nicht anders macht wie Prenzel].

Die Bürger sammeln Unterschriften, ein ungewöhnliches Engagement für einen Journalisten. Dieter Bednarz: „Das Besondere an Herrn Prenzel ist, dass er wirklich zu den Redakteuren gehört, die das Fähnchen des Lokaljournalismus aufrecht erhalten, die auch ein gutes Beispiel sind für Anzeigenblatt-Redakteure. Die Anzeigenblätter haben ja immer das Problem [wieso Problem?] der Vermischung von Redaktion und Reklame. Da achtet Herr Prenzel sehr darauf, dass sich das in Artikeln nicht vermischt.“ Und trotzdem hat er sogar unter den Anzeigenkunden Anhänger. [Entweder hat Prenzel Bednarz nicht die Wahrheit über seine Verwendung von PR-Material gesagt oder Bednarz beschönigt die Praktiken von Prenzel absichtlich. So oder so zeigt sich, dass sich die Methoden nicht unterscheiden].

Das Viertel wird aber in Zukunft ohne Prenzel auskommen müssen. Verloren hat vor allem der 57jährige Prenzel, seinen Job. Am liebsten würde er nun seine eigene Stadtteilzeitung machen. (…) Autorin: Mareike Fuchs.

[nicht die „Wiedereinstellung“ Prenzels , sondern eine eigene Geschäftsgründung war von Beginn das Ziel des „Prenzel-Soli-Komitees“. Dazu brauchte man die Unterschriften/Adressen und den PR-Schub der Mainstream-Medien. Bemerkenswert ist hier auch der Einsatz des sonst in Alternativ-Szenen verwendeten Begriffs „Stadtteilzeitung“. Um eine solche „Basis-Zeitung“ soll es sich bisher bei dem Springer-Anzeigenblatt gehandelt haben! Weil Springer und Madack nach dieser Lesart nicht mehr wie bisher die „Interessen des Volkes“ vertreten wollen, entsteht nun – darauf hofft man – eine Marktlücke für alternative Populisten].

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[*] Dieter Bednarz gehört zu den Spiegel-Journalisten, die ihre wohlgeordnete und überschaubare Lebenswelt zwischen Eimsbüttler Stuck und Verlagsbüro vermarkten. Nachdem er bereits sein halbes Leben in der Abteilung „Naher Osten“ abgesessen hat, fand er doch noch sein Thema, als er mit 49 bzw. 51 Jahren mehrfacher Vater wurde. Wie schon andere Kollegen vor ihm, hat er daraus eines der vielen paartherapeutischen, semi-privaten „Väterbücher“ gemacht, die irgendwo zwischen pflichteifriger Heiterkeit und Kater angesiedelt sind: „Überleben an der Wickelfront: Vom Elternglück in den besten Jahren.“ Lange vor ihm hatte sich schon sein Ex-Kollege Matthias Matussek mit dem Buch „Die vaterlose Gesellschaft“ an diesem Subgenre der Betroffenheits- und Ratgeberliteratur versucht. Nach der Ausrufung einer „Väterrechtsbewegung“ outete Matussek sich schließlich mit der Bekenntnisschrift „Wir Deutschen. Warum die anderen uns gern haben können“ als unverkrampfter Patriot. Während dieser Zeit sinnierte der Spiegel-Kolumnist Reinhard Mohr in dem Buch „Generation Z oder: Von der Zumutung älter zu werden“ über seine Wende vom Linken zum Reaktionär und bekannte sich mit Michael Sauga ein weiterer Kollege mit einer Anklage gegen „Die Ausbeutung der Mittelschicht“ zum eigenen kleinbürgerlichen Ressentiment. Das bislang letzte Bekenntnisbuch von diesem Lokalreportern in eigener Sache kommt von einem Jan Fleischhauer und heißt: „Unter Linken – Von einem, der aus Versehen konservativ wurde“.

→ [weitere Kommentare zu diesem Text auf unserer „Heimatseite“]

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Sparbierplatz-Privatisierer unterstützen den Wochenblatt-Schwindel
Der SPD-Politiker Martin Schäfer hat sich vom Bezirkspolitiker zum Mitglied der Bürgerschaft hochgedient. Er hat die Privatisierung des 22.000 qm großen öffentlichen Sparbierplatzes in der Bürgerschaft gemeinsam mit dem Beust-Senat aktiv mitbetrieben – wohl wissend, dass die damit verbundene Extra-Förderung einer klerikalen Aktiengesellschaft die Privatisierung der kommunalen Krankenhäuser (LBK) flankieren soll. Im Wochenblatt (Abb. links) konnte er dann die LBK-Privatisierung als „Schenkung an einen privaten Investor“ bezeichnen und damit nachträglich so tun, als sei das im Falle des Sparbierplatzes etwas ganz anderes und als sei ihm der Zusammenhang zwischen LBK und DKH ganz unbekannt. Dafür bedankt er sich nun bei Prenzel mit einem vollkommen sinnlosen Statement (Abb. rechts), das zeigt, dass man für solche Wendigkeit nichts braucht als etwas Bauernschläue: „Anzeigenblätter“ ist der Gattungsname eines Formats, das durch einen 30-zu-70-Mix aus „redaktionellem“ Teil und Werbung definiert ist. „Reine“ Anzeigenblätter (ohne „Lokales“) kann es und wird es nicht geben: Solche Formate heißen „Werbeprospekte“.

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■ Junge Welt, 02.07.2009

Leser gehen auf die Barrikade
Der Zeitungsverlag Madsack kündigt einem Hamburger Lokalreporter – und provoziert damit unerwarteten Protest
Von Mirko Knoche
Arndt Prenzel kennt sein Revier. 15 Jahre kümmerte sich der Reporter des Eimsbüttler Wochenblatts um die kleinen und großen Themen in Hamburgs Stadtbezirk Eimsbüttel. Bei fast jedem Wetter fuhr Prenzel mit seinem Fahrad durch das Viertel [diese romantisierende Darstellung, die ein „Journalist“ beim anderen abschreibt, könnte direkt der heilen Welt der Kinderbücher entnommen sein, in der alle einen festen Beruf haben und nur Gerbrauchswerte produziert werden], in dem 54000 Menschen leben. Nun hat ihm seine Firma, die Verlagsgesellschaft Madsack, gekündigt. [?? Madsack hat nur 17,3 % der Hamburger Regional- Anzeiger GmbH & Co. KG übernommen). Künftig will das Unternehmen [meint Madsack], an dem die SPD mit etwa 20 Prozent beteiligt ist, sämtliche Wochenblätter von einer Zentralredaktion aus mit Texten und Bildern beliefern. »Ich habe eine unheimliche Wut verspürt, als ich nach so langer Zeit innerhalb von Sekunden einfach rausgeschmissen wurde«, sagte Prenzel am Mittwoch gegenüber junge Welt.

Doch die Eimsbüttler [wo bleibt da der Hauptwiderspruch?] wollen auf Prenzels wöchentliche Berichte über Ereignisse, Neueröffnungen, Stadtteil­initiativen, Nachbarschaftshilfe und Lokalpolitik nicht verzichten [diese Aufzählung, die oben schon in den „Aufrufen“ des Komitees auftaucht, ist ganz absichtlich inhaltsfrei. Jedes konkrete Beispiel würde diese Erzählung zerstören]. Statt Meinungsvielfalt [zum Beispiel über die Privatisierungsfeier des ETV am 22.4.09] befürchten sie, daß Madsack [?] einen mit PR-Sprengseln gefärbten Einheitsbrei für alle Hamburger Stadtteile plane [Erstens ist das nicht das Geschäftsmodell der Wochenblätter. Zweitens würde mehr allgemeiner Einheitsbrei die Zahl der konkreten Gefälligkeitsartikel für lokale Unternehmen reduzieren]. Und deshalb haben einige von ihnen [von den LINKEN] ein Solidaritätskomitee gegründet. Ihr [vorgebliches] Ziel: Madsack [?] soll Prenzel weiter beschäftigen. Abbestellen können die Unterstützer das kostenlose Wochenblatt, daß in einer Auflage von über 52000 Exemplaren in den Briefkästen [zwangs-] verteilt wird, nicht. Ökonomischen Druck wollen sie dennoch ausüben. »Wir haben bislang etwa 800 Unterschriften gesammelt; mehrere lokale Geschäfte haben ihre Anzeigen storniert [der Klassenkampf mit anderen Mitteln]«, so der Musiker Peter Gutzeit von der Soligruppe im Gespräch mit jW. Zudem hätten Polizisten, Pfarrer und Markthändler [reaktionärer geht´s nicht mehr!] beim Verlag gegen den Rauswurf des Journalisten protestiert; mittlerweile existiert sogar eine eigene Internetseite [?]. Diese Unterstützung habe ihm wieder Mut gemacht, sagt Prenzel. Anscheinend ist die Kündigung Prenzels kein Einzelfall. Auch einen Sportreporter des Eimsbüttler Wochen­blatts soll Madsack [?] ähnlich rücksichtslos den Stuhl vor die Tür gesetzt haben [dieser „Sportreporter“ hat Woche für Woche jede Anzeige des ETV nochmal als Fließtext abgefasst!] . Der freie Journalist erhalte vom Verlag keine Aufträge mehr, heißt es im Solikomitee [sollen wir jetzt betroffen sein?]. Der Geschäftsführer des Eimsbüttler Wochenblatts, Ralf Exner,wollte sich gegenüber jW nicht zur Sache äußern. Die bisherige Berichterstattung sei ihm »zu eingefärbt«, sagte Exner auf eine entsprechende Anfrage. Anderswo wird er deutlicher. So kündigte Exner in einer Fernsehsendung an, seinen ehemaligen Lokalredakteur wegen Rufmordes [Er sprach von Rufschädigung. Der Autor gehört zu jenen Schreibern, die „Sippenhaft“ sagen, wenn sie „Sippenhaftung“ meinen]. Prenzel will sich davon nicht einschüchtern lassen. Unterstützt wird er dabei von der Journalistengewerkschaft DJU in ver.di. Die Chancen stehen nicht schlecht. Ein DJU-Bundesfunktionär ist Mitglied im Eimsbüttler Solikomitee.

[“Leser gehen auf die Barrikade“. Das Bild vom „Aufstand in Eimsbüttel“ ist die Tageszeitung „Junge Welt“, die der LINKEN nahesteht, ihrem Publikum sicher schuldig. Aber dass das „revolutionäre Subjekt“ nun ausgerechnet die „Leser“ von Einkaufstips sein sollen, ist eher ein Hinweis auf einen politischen Niedergang. Nachdem inzwischen Alice Schwarzer und Udo Lindenberg für BILD werben, will das linke Milieu nicht abseits stehen. Wahrscheinlich bewirbt sich die Junge Welt mit diesem Text um die Teilnahme an dem von Mathias Döpfner inszenierten Springer-Kongress].

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Junge Liberale Eimsbüttel, 14. Juni 2009
JuLis Eimsbüttel bedauern Entlassung von Arndt Prenzel

Die Entscheidung der Eimsbüttler-Wochenblattredaktion der Elbe-Wochenblatt-Redaktion beizutreten ist wirtschaftlich vernünftig, nachvollziehbar und verdient Respekt. Gleichzeitig ist sie aber auch mutig, da sie einen tiefen Einschnitt in die bisherige örtliche Berichterstattung bedeutet und einen Qualitätsverlust befürchten lässt. Es bestehen keine Zweifel daran, dass die Beteiligten die Qualität der Berichterstattung erhalten und für die Stadtteilberichterstattung nur das Beste wollen. Die Zusicherung, dass es auch künftig feste Ansprechpartner in den Stadtteilen geben wird, sowie die offene und ehrliche Kommunikation durch die Geschäftsführung des Eimsbüttler Wochenblatts unterstreichen das”, sagt Benjamin Schwanke, Vorsitzender der Jungen [Neo-] Liberalen (JuLis) Eimsbüttel. Gleichwohl sind Zweifel angebracht, ob die Verantwortlichen ihrem eigenem Anspruch gerecht werden [meint: „der Prenzel hat über jeden Stammtisch von uns berichtet. Wir erwarten, dass das auch nach ihm so bleibt“] . Mit Arndt Prenzel hat das Eimsbüttler Wochenblatt sein Aushängeschild und den Garanten für qualitativ gute Bezirksberichterstattung verloren. “Es wird schwer jemanden wie Arndt Prenzel zu ersetzen, der die Entwicklung des Bezirkes stets kritisch [!] begleitete, sich aber gleichzeitig mit vollem Herzen aktiv eingebracht hat – sei es nun die Zukunft der Isebek [als was?], der [Einkaufsmeile] Osterstraße oder die Erneuerung des Eimsbüttler Bezirkslogos” [*], meint der Bezirksvorsitzende weiter. Die JuLis Eimsbüttel jedenfalls danken Herrn Prenzel für sein langjähriges Engagement und die gute Zusammenarbeit und wünschen ihm für die Zukunft alles Gute! Dem Eimsbüttler Wochenblatt wünschen wir für seine weitere Entwicklung, die wir auch künftig konstruktiv begleiten werden, viel Erfolg!

[*] „Ein Wappen ist eine gute Möglichkeit seiner Heimatverbundenheit Ausdruck zu verleihen, weshalb unserer Meinung nach das neue Wappen aus der Mitte der Bevölkerung kommen sollte. So organisierten wir einen Ideenwettbewerb unter dem Motto „Eimsbüttel braucht ein neues Wappen“. Unsere Idee fand ein überwältigendes Medienecho in der Lokalpresse. Im Mai präsentierten wir die Gewinnerentwürfe, die zuvor die Jury ausgewählt hatte, welche aus …dem Vorsitzenden der Jungen Liberalen Eimsbüttel, Benjamin Schwanke, dem Redaktionsleiter des Eimsbüttler Wochenblatts, Arndt Prenzel, dem Geschäftsführer von Hagenbecks Tierpark, Wienlig-Hagenbeck und dem Pastor Thiessen aus der Niendorfer Kirchengemeinde bestand.“ (Junge Liberale Eimsbüttel).

[Die Prenzel-Soli-Volksfront erreicht von LINKS bis RECHTS wirklich alle. Es ist das Spektrum, das der Anzeigenblattschreiber bedient hat, damit Text und Werbung ein heimatliches Ganzes ergeben. Auch die Schill-Partei bekam von Prenzel seinerzeit, wie wir noch dokumentieren werden, ihre halbe Seite „Lokalberichterstattung“].

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Aufpassen, was im Stadtteil vor sich geht…“ (Prenzel)

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… solide Verankerung des Wochenblatts in Eimsbüttel“ (Prenzel-Soli-Komitee)

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… konnte im Wochenblatt über bezirkliche Lokalpolitik berichtet werden.“ (Prenzel-Soli-Komitee)

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• (diese Dokumentation wird noch vervollständigt)

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Hinweis:
Dieses weblog hat mehrere Seiten zu verschiedenen Themen:
* Einleitung (Startseite)
* Das Prenzel-Soli-Komitee [diese Seite]
* PR und Journalismus
* Unser Dorf
* Anzeigenblätter als Behördenplattform
* Vom Elend des bürgerlichen Journalismus

Weitere Themenseiten sind in Vorbereitung, u.a.: • Zahlen und Daten zum Wochenblatt • Besitzverhältnisse • Vorgänger-Blätter • Springer AG • Madsack • Auswahl der Themen der Anzeigenblätter • „Lokalkompetenz“ • Anzeigenblätter und Lokalpolitik • Schleichwerbung …

→ Siehe auch die Fotoalben-Sets hier und hier .
→ Umfassende Fallstudie (Anzeigenblätter und Privatisierung): hier.

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