Die mediale Konstruktion von Heimat

„Unser Quartier“ – Die mediale Konstruktion der Dorf-Idylle in den Anzeigenblättern

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Eimsbüttel im Wochenblatt –
eine medial konstruierte Dorf-Idylle wie im Kinderbuch

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(Text folgt)

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Drehort Wochenmarkt


Dorfszene: „Die Bürger sammeln Unterschriften“. Filmstill aus der TV-Sendung ZAPP mit Wulf Beleites (Die Linke) in der Rolle des vom Springer-Verlag enttäuschten Bürgers. Drehort ist ein von der CDU „geretteter“ Wochenmarkt in Hamburg-Eimsbüttel.

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„Den Kampf um den Schlump Markt haben die Marktleute mit Prenzels Hilfe gewonnen“ (freie Dichtung in ZAPP vom 1.7.2009). „CDU-Erfolg: Schlump-Markt bleibt (die harten Fakten im Wochenblatt vom 2.10.2008).

Ob Mopo oder Zapp – die Mainstream-Journalisten fühlen sich dem Lokalreporter des Anzeigenblattes auch deshalb so nahe, weil sie längst mit den selben Methoden arbeiten. Es ist daher kein Zufall, dass die Mainstream-Journalisten ihrem Publikum konkrete Beispiele von den Heldentaten ihres Anzeigenblatt-Kollegen vorenthalten. Das einzige Beispiel findet sich in der ZAPP-Sendung, wo behauptet wird, der „Kampf“ um den Erhalt eines Wochenmarktes an der U-Bahn-Haltestelle Schlump sei „mit Prenzels Hilfe gewonnen“ worden. Wieso Kampf? Gegen WEN wurde „gekämpft“? Tatsächlich war die „Rettung des Schlump-Marktes“ eine Kampagne der CDU, über die in Bild, Welt, Abendblatt und Wochenblatt gerne berichtet wurde. Mit etwas „Recherche“ und „Qualitätsjournalismus“ hätten die ZAPP-Macher das herausfinden können. Vor allem aber: Mit etwas politischem Verstand wären sie auf die Frage gestoßen, welche symbolische Bedeutung selbst ein Mini-Wochenmarkt in einer Seitenstraße (8-10 Stände für einige Mittelschichthausfrauen; alle anderen gehen zu Penny) für die mediale Konstruktion von lokaler Heimat hat, für eine Bedeutungsfeld also, das in den gesellschaftspolitischen („Hilfe zur Selbsthilfe“, „gemeinnützige“ Arbeitspflicht, soziale Kontrolle) und wirtschaftspolitischen („Förderung lokaler Wirtschaft“, „Bildung lokaler Eliten“) Konzepten der Großverlage (denen die Anzeigenblättern gehören), der CDU und anderen Parteien eine große Rolle spielt:

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Die Förderung lokaler Gewerbe ist ein Dauerthema der am Anzeigenkunden orientierten „Lokalberichterstattung“ der Wochenblätter. Da ist jeder Politiker willkommen, der eine Subvention, niedrigere Löhne, die Verlängerung der Öffnungszeiten und mehr Streifenpolizisten verspricht. Vor einigen Jahren war es noch Mario Mettbach, damals Funktionär der rechten Schill-Partei und Senator im Schill/Beust-Senat, der die Titelseiten der Anzeigenblätter beherrschte, nachdem er das „Lokale“ zu seinem Thema gemacht hatte. (Titelseite des „Eimsbüttler Wochenblattes“ vom 8. Mai 2002. Text und Foto: Arndt Prenzel).

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